Donnerstag, 7. September 2023

Das Drama der Heimreise

Nur noch Heim

Wahrscheinlich hätte ich einfach einen Bogen um Oberbayern machen sollen. Die vermeintliche Stunde länger über Frankfurt, hätte wohl viele Stunden, Nerven und Ausgaben weniger gekostet.

Aber fangen wir mal von vorne an:

Bereits zwei Stunden vor Abflug wird Verspätung angezeigt - der Flieger kommt wohl nicht rechtzeitig aus München.

Die knappe halbe Stunde ist aber nicht das eigentliche Problem.

Beim Blick auf die Bahn-App deuten sich um Mittag herum bereits (größere) Probleme in München an.

Der Flug nach München verläuft aber erstmal ohne Komplikationen und unter mir kann ich die Alpen, den Gardasee, die bayerischen Voralpen und dann das südbayerische Flachland liegen sehen.

Es fängt an, langsam spannend zu werden, als wir am Terminal 2 stehen und nichts mehr vorwärts oder rückwärts geht.

Nein, eigentlich ganz falsch beschrieben: Es ginge noch alles vorwärts oder rückwärts und genau DAS ist der Fehler !

Der Pilot vermißt einen dieser hilfsbereiten Zweibeiner, die üblicherweise auf Flughäufen diese Keile unter das Bugrad klemmen, so daß die Maschine fixiert ist. Einen Bediener für den Finger suchen sie (per analogem Inserat im Münchner Arbeitsamt) auch noch. Von Gepäckausräumern und ähnlichem ganz zu schweigen. Willkommen in Bayern. Franz-Joseph-Strauß. Erdinger Moos.

Der Pilot kennt das - laut Durchsage - schon und bleibt gelassen: "Sie können sich alle nochmal setzen, der Münchner Flughafen hat Personalprobleme und wir wissen noch nicht, wann mal jemand für uns Zeit hat"

Was will man machen...

Entweder hat der Pilot den Copilot an einer provisorischen Krawatten-Strickleiter aus dem Cockpit abgeseilt oder der kleine Regional-Flughafen Franz-Joseph-Strauß hat nach ca. 20 Minuten doch noch ausreichend befähigtes Personal erübrigen können, welches zu solch unterwarteter Stunde (nachmittags gegen 15:15 Uhr in den bayerischen Sommerferien) doch noch die Technik bedienen kann.

Wir können aussteigen.

Mittlerweile habe ich realisiert, daß die Deutsche Bahn offiziell sämtlichen elektrifizierten/Fernverkehr südlich von Nürnberg und östlich von Stuttgart als eingestellt zu betrachten ansieht:

Man möge München meiden !

Denn dort hat ein Bagger ein Stück Oberleitung heruntergerissen.

Ha, lustig :-(

Wie ich später erfahre, ist diese Skizze übrigens eine Untertreibung (NEVER trust Deutsche Bahn): Reisende aus Hamburg gen Süden sind bereits in Bamberg (das ist übrigens in Oberfranken und ca. 80 Kilometer NÖRDLICH von Nürnberg) gestrandet.

Nun ist guter Rat teuer: Ich ziehe mal noch im Aussteigefinger beim Verlassen des Flugzeugs einen Telefonjoker.

Bingo. Taxi wird sich auf den Weg machen. Hat aber gut 280 Kilometer Anfahrt.

Unlängst in der Süddeutschen Zeitung (SZ): Link

Wie man liest, verlangen Münchner Taxifahrer heute 400 Euro nach Nürnberg. Vom Hauptbahnhof. Der westlich vom Flughafen liegt. Und dazwischen wohl der Oberleitungsschaden, wie ich dann aus der SZ Stunden später erfahre - NICHT von der Bahn (dort ist weiterhin nur ominös von "am Hauptbahnhof" die Rede).

Ebenfalls symptomatisch: Ein eigener Umplanungsversuch über Ostbayern scheitert umgehend, da ALLE Züge bei der Bahn nur mit dem allgemeinen Vermerk gekennzeichnet sind, daß sie möglicherweise nicht vom Start- bzw. bis zum Zielbahnhof fahren. Dummerweise steht NIRGENDS ab/bis zu welchem Bahnhof sie verkehren.

Aber, was will man machen... ?

Antwort: Zum Edeka gehen zwecks Zwischenmahlzeit - SOWAS hat man lange nicht gesehen...


Kurz vor 22:45 erreichen wir Herzogenaurach. Zeit für eine Brotzeit als Betthupferl nach diesem LANGEN Tag...

Vielen, vielen, vielen Dank an meine Eltern ! - Auch wenn wir GPS-Nutzung am Handy und gezielte Navigation zum Aufsammelpunkt noch etwas üben müssen ;-)

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